HOLLAND: 17. JH. | BAROCK: 17. UND 18. JH. | RENAISSANCE |
KÜNSTLER/BILDER | STIFTUNG JAKOB BRINER

Das "Gouden Eeuw": holländische Malerei des 17. Jahrhunderts
Das Schwergewicht der Sammlung bildet die holländische Malerei des 17. Jahrhunderts. Bedeutende Werke von Hauptmeistern wie Jacob van Ruisdael, Willem van de Velde, Pieter Claesz, Adriaen van Ostade, Pieter de Hooch, Emanuel de Witte oder Ferdinand Bol veranschaulichen beispielhaft die Hochblüte des "Gouden Eeuw" (goldenes Jahrhundert).
Im 16. Jahrhundert gehörten die Niederlande zum Reich von Phillip II., dem König von Spanien. Der Protest gegen die absolutistische Herrschaft und die katholische Inquisition mündete 1568 in einen Aufstand des niederländischen Adels unter Führung Wilhelms I. von Oranien. 1588 proklamierten die sieben nördlichen, hauptsächlich calvinistischen Provinzen - Holland, Zeeland, Utrecht, Gelderland, Friesland, Groningen, Overijssel - die Republik der Vereinigten Niederlande. Die Trennung in die "Generalstaaten" (die heutigen Niederlande) und die spanischen Niederlande (das heutige Belgien) war damit besiegelt, der Krieg um die Unabhängigkeit indessen endete erst 1648 mit dem Westfälischen Frieden.

Nach der spanischen Rückeroberung der südlichen Metropole Antwerpen 1585 wichen Tausende von Kaufleuten und Unternehmern in den befreiten Norden aus, ihnen folgten Wissenschafter, Intellektuelle und Künstler. Der rasante Aufschwung spiegelt sich in der Einwohnerzahl von Amsterdam: 1585 hatte sie bei 30'000 gelegen, 1640 waren es 140'000 und im Jahr 1700 gar 220'000. Innert Kürze war die Stadt zum prosperierenden Weltwirtschaftszentrum geworden. Es entwickelte sich eine eigenständige bürgerliche Kultur, und eine nie zuvor gesehene Blüte erlebte die Malerei. In Haarlem und Amsterdam, aber auch in Leiden, Delft und Utrecht bildeten sich lokale Schulen. Nicht nur die drei "Grossen" - Hals, Rembrandt, Vermeer - brachten erstrangige Werke hervor und trugen zur ausserordentlichen Breite einer hochstehenden Bildproduktion bei.

In der vom Calvinismus geprägten bürgerlichen Gesellschaft arbeiteten die Künstler hauptsächlich im Auftrag wohlhabender Kaufleute und für einen florierenden freien Kunstmarkt. Schon für Zeitgenossen war die "Bilderwut" der Holländer sprichwörtlich. Erstmals wurde die Alltagswelt in all ihren Erscheinungen bildwürdig, und oberstes Darstellungsprinzip war die Wiedergabe "naar 't leven" (nach dem Leben). Noch heute bezaubern die lebensnahen Schilderungen durch ihren ausgeprägten "Realismus" - zugleich aber vermitteln die überaus beliebten Genreszenen, Landschaften und Stillleben vielfältige symbolische Botschaften.

In der Sammlung Briner sind sämtliche Bildgattungen gültig vertreten, so die biblische Historie mit der "Jephta"-Geschichte, dem grössten bekannten Gemälde von Rembrandts Lehrer Pieter Lastman, und das Porträt mit Ferdinand Bols kapitalen, standesgemässen Bildnissen eines Amsterdamer Patrizierpaares.

Die Genremalerei mit ihren Alltagsszenen repräsentieren zahlreiche Werke von zum Teil selten vorkommenden Meistern wie Pieter Duyfhuyzen und Willem Duyster, dessen bedeutendes frühes Gemälde eines Künstlerateliers erst kürzlich wieder entdeckt wurde. Die bäurisch-derben Szenen von Adriaen van Ostade und Hendrick Sorgh sind typische Beispiele des Bauerngenres, während Pieter Codde die Soldatenstube zum Thema macht und Pieter de Hooch in seinen Innenraumdarstellungen die grossbürgerliche Wohnkultur verbildlicht. Die namentlich in Delft gepflegte Gattung des Kircheninterieus ist durch Werke von Emanuel de Witte vertreten.

In eindrücklicher Breite präsentiert sich sodann die Landschaftsmalerei: Von der "monochromen" holländischen Flussszenerie Jan van Goyens über die italianisanten Idealbilder von Jan Both bis zur heroischen skandinavischen Gebirgslandschaft Allaert van Everdingens oder Jacob van Ruisdaels elegischem Wasserfall erschliessen sich die vielfältigen Aspekte dieser Gattung. Die Motivwelt der Marine, eines im Land des Wassers und der Schifffahrt äusserst populären Genres, führen erstklassige Gemälde von Willem van de Velde d.J. und Ludolf Bakhuizen vor Augen.

Auch die Gruppe der Stillleben gibt eine anschauliche Vorstellung von der Spannweite der Gattung: Die frühe, um 1625 von einem noch nicht identifizierten Meister gemalte "Vanitas" gemahnt eindringlich an die Vergänglichkeit alles Irdischen. Die damals geläufige Botschaft klingt als Warnung vor übermässigem Genuss auch in Pieter Claesz reich gedeckter Tafel an, einem Hauptwerk der sogenannten "monochromen banketje". Die sich im Lauf des 17. Jahrhunderts zusehends verfeinernde bürgerliche Lebensart spiegelt sich in der barocken Üppigkeit des Prunkstilllebens von Abraham van Beyeren.